Die alte Mächtigkeit in schön
Bamberg hat uns gefordert, Bamberg hat uns fast aufgeben lassen, Bamberg hat uns versöhnt. Versöhnt mit sich, versöhnt mit den eigenen Einschränkungen. Bamberg wird uns wiedersehen!
Die Stadt ist erfreulich wenig “verschlimm”-modernisert worden, obwohl es immer wieder Ideen dazu gab. Dass nur sechs Prozent Bambergs im Krieg zerstört wurden, ist ein großes Glück, führte aber auch dazu, dass die sechs Hügel auf mittelalterlichem Kopfsteinpflaster erobert werden wollten. Ich entscheide mich gegen Rolli und auch Sollso, mein Laufrad, wird mir wenig helfen.
Im Vorfeld melde ich mich beim Besucherzentrum Welterbe in Bamberg. Die Dame am Telefon kann mir nicht helfen, als ich nach Lösungen für mobilitätseingeschränkte Menschen frage. Ich solle meine Frage schriftlich stellen. Auch diese bleibt unbeantwortet. Es gab wirklich so gar keine Reaktion. Das ist mir noch nie passiert. Unser zentral in der Altstadt gelegenes Hotel hat ein Parkhaus, das aber nicht Plätze für alle Gäste bietet. So empfiehlt es sich, diesen Parkplatz während des Aufenthaltes nicht zu verlassen. Sowieso sollte man das Auto in der Altstadt nur nutzen, wenn man das Fahren auf engen Bergpässen gewohnt ist. Das Mobilitätsproblem wird damit aber nicht kleiner. Ich suche die Touristeninformation auf und schildere mein Problem. Auch da bekomme ich keine Hilfe. Wie soll ich die Geschichte des Weltkulturerbes denn entdecken? Im Netz finde ich das Schattentheater, was immerhin eine indirekte und sehr einzigartige Möglichkeit wäre, ohne weite Wege mehr über Bamberg zu erfahren. Aber das hat in der Woche keine Vorstellungen. Ich überlege, diese Reise abzubrechen, zu kapitulieren.
Direkt am Hotel entdecken wir schließlich eine ungewöhnliche Haltestelle, und damit begann die Entdeckung Bambergs für Mascha und mich. Das Weltkulturerbe in Bamberg ist riesig. Man kann viele Tage damit verbringen, in Bambergs Geschichte abzutauchen. Man kann sich Pläne machen oder sich treiben lassen. Alles zu sehen, ist fast unmöglich. Die rote Haltestelle direkt vor dem Hotel gehört zum Bamberg Bus, einem umgebauten amerikanischen Schulbus, der entlang der Highlights eine charmant geführte hop on/hop off Tour anbietet. Assistenzhundmitnahme kein Problem! Auch Rollis werden transportiert.
Eine weitere Alternative für Menschen, die nicht gut zu Fuß sind, ist die Bamberg Bahn. Man fährt mit einer aus den Zwanzigerjahren jetzt in einen Bus umgebauten Straßenbahn die 6-Hügel-Tour bis hoch zur Altenburg. Auf der Altenburg legt die Bahn, die jetzt ein Bus ist, eine Pause ein und man kann 15 Minuten die kleine Burg besichtigen. Auch diese Bahn folgt dem hop on/hop off Prinzip, bezieht aber auch weiter entlegene Welterbestätten ein. Assistenzhund und Rolli sind kein Problem. Man sollte mit Hilfe aber 2 Stufen laufen können, um ein- und aussteigen zu können. In der Bahn kann man ein Infoblatt für individuelle Audiotouren bekommen. Man steigt an einem Höhepunkt aus, nutzt den QR-Code und kann dann anklicken, welche Sehenswürdigkeiten in der Nähe von Interesse sind und kann nun ganz im eigenen Tempo auf Tour gehen. Bei mittelalterlicher Pflastermüdigkeit steigt man in der nächsten Runde wieder ein.
Getestet haben wir auch den normalen Busverkehr. Außerhalb der Schülerfahrzeiten ist der Busverkehr mit Assistenzhund hervorragend nutzbar. Die Busse waren wenig frequentiert, und Mascha hatte einen sicheren Platz. Das Personal reagierte professionell.